Schulmaterialien im Test: bunt & belastet
Geschrieben am 30. Januar 2009, Abgelegt unter Allgemein, getestet
Tags: Buntstifte, Malen, Schreiben, Schule, Schulmaterial, Sicherheit, Stiftung Warentest
Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn die Materialien, mit denen unsere schulpflichtigen Sprösslinge mehrere Stunden pro Tag umgehen, frei von Schadstoffen wären.
Wenn die Stifte, der Radiergummi oder das Lineal, die von den Kids in die Hände und zuweilen auch in den Mund genommen werden, nicht gesundheitsschädigend wären. Es wäre zu schön gewesen…
Stiftung Warentest hat im September 2008 Schulutensilien getestet, darunter Buntstifte, Gel-Stifte, Farbmalkästen, Radierer und Lineale. Die Ergebnisse waren so erschreckend, dass der geneigte Leser mir bitte verzeihen möge, wenn ich im nachfolgenden Bericht mehr Ausrufungszeichen verwende, als der gute Stil es zulässt – sie sind allein meinem Entsetzen über die festgestellten Schadstoffe zuzuschreiben: verbotene Weichmacher in Buntstiften, Benzol in Fasermalern, Schwermetalle in Deckfarbkästen. Viele Schulmaterialien hätten gar nicht verkauft werden dürfen! Wer die Winterferien (die Glücklichen) oder die zwei schulfreien Tage nach den Halbjahreszeugnissen (die Armen) nutzen möchte, um die Federmappen seiner Kinder wieder aufzufüllen, sollte sich etwas Zeit nehmen, um die einen Blick auf die Testergebnisse zu werfen. Zunächst einige allgemeine Ergebnisse:
Bunt und belastet
Fast jeder zweite (!) Buntstift enthält in der Lackschicht die Phthalat-Weichmacher DEHP, BBP und DBP. Sie beeinträchtigen die Fortpflanzungsfähigkeit und wurden daher von der EU für Spielzeuge verboten. Nun zählen Buntstifte zwar nicht im engeren Sinne zu Spielzeugen, aber wir alle wissen, wie lang eine Schulstunde sein kann, wie viele Schulstunden ein Kind pro Woche und Schuljahr absitzt und wie viele Jahre es – nicht nur in der Schule – mit Buntstiften hantiert. Kauen Kinder einige Male an lackierten Stiften, besteht zwar keine unmittelbare Gefahr. Werden die Schadstoffe allerdings über längere Zeit aufgenommen, schadet das ihrer Gesundheit. Und wenn die Schulzeit keine “längere Zeit” ist, weiß ich auch nicht… Stiftung Warentest zeigt, dass der Lack von neun Buntstiften die EU-Grenzwerte überschreiten, darunter auch teure Markenstifte von Stabilo. Sie hätten nicht in den Handel gelangen dürfen.
Weich, aber riskant
Jede Menge DEHP kann auch der Radierer “Pelikid” von Hertie vorweisen: Er besteht zu 23% aus dem fortpflanzungsgefährdenden Weichmacher. Damit überschreitet “Pelikid” den Grenzwert für Spielzeug um das 200-Fache! Sie hätten nie in den Handel gelangen dürfen. Zwar gelten Radiergummis nicht als Spielzeuge, aber Kinder knabbern trotzdem gern auf ihnen herum – besonders wenn sie schön weich sind. Einige Hersteller setzen PVC-Radierern immer noch große Mengen Phthalat-Weichmacher zu, um aus sprödem Kunststoff weiches Gummi zu machen. Eine großartige Idee…
Nicht in Kinderhände
Logisch, dass auch das krebserzeugende Lösemittel Benzol nichts in Kinderhänden verloren hat. Das scheint Woolworth aber noch nicht bekannt zu sein: Ihre “Smily” Fasermaler enthalten bis zu 15 Milligramm Benzol je Kilogramm. Damit überschreiten die Fasermaler den Grenzwert von 5 Milligramm je Kilogramm deutlich. Sie hätten nicht in den Handel gelangen dürfen. Gleiches gilt für den Deckfarbkasten von pbs factory. Er enthält blei- und chromhaltige Farbe, die – über den Mund aufgenommen – Vergiftungen hervorrufen kann.
Kein Verlass auf CE-Zeichen
Von 105 getesteten Produkten waren 17 stark mit Schadstoffen belastet – vor allem Billiganbieter überschritten die Grenzwerte. Aber auch Markennamen wie Faber-Castell und Stabilo finden sich auf der Negativ-Liste. Leider ist es für Kunden schwer, wenn nicht fast unmöglich, zwischen belasteten und unbelasteten Produkten zu unterscheiden. Wer glaubt, das CE-Zeichen (franz. Conformité Européenne = “Übereinstimmung mit EU-Richtlinien”) auf den Verpackungen könne ihm weiterhelfen, ist auf dem Holzweg. Mit Aufdruck dieses Zeichens bestätigen die Hersteller zwar, dass ihr Produkt den EU-Richtlinien entspricht, aber die Hersteller-Selbstauskunft wird von keiner unabhängigen Stelle kontrolliert.
Ausführliche Testergebnisse
… erhalten Sie gerade mal 1 € (hier). Für diesen Euro gibt es folgende Artikel und Testtabellen:
Übersicht Schadstoffe in Stiften, Farben und Radiergummis- Schadstoffe in Buntstiften (kostenfreie Übersicht hier)
- Schadstoffe in Deckfarbkästen
- Schadstoffe in Faserstiften
- Schadstoffe in Gel-Stiften
- Schadstoffe in flexiblen Linealen
- Schadstoffe in Radiergummis
- Schadstoffe in Tintenpatronen
- Schadstoffe in Wachsmalstiften
- Schadstoffe: Liste und Erklärungen
- Glossar
Tipps für den Einkauf von Schulmaterialien
- Kaufen Sie nicht wahllos jedes Schnäppchen. Prüfen Sie das Produkt mit allen Sinnen: Ist es gut verarbeitet? Steht eine Anschrift des Anbieters auf der Verpackung? Riecht es abstoßend?
- Kaufen Sie Buntstifte aus naturbelassenem Holz ohne farbige Lackschicht. Vor allem die Lacke der Stifte enthalten die verbotenen Weichmacher.
- Wählen Sie PVC-freie Radiergummis oder solche aus Naturkautschuk – beide kommen ohne Phthalat-Weichmacher aus.
- Flexible Lineale aus Kunststoff sind zwar schick, gesünder sind allerdings Lineale aus unbelastetem Holz. Außerdem halten sie länger.
- Haben Sie ein stark belastetes Produkt schon gekauft? Bringen Sie es ins Geschäft zurück und verlangen Sie Ersatz. Sechs Anbieter haben inzwischen auf den Test von Stiftung Warentest reagiert: Sie haben ihre Farbkästen, Bunt- und Faserstifte aus dem Handel genommen.
- Eltern und Lehrer können selbst Einkaufsgemeinschaften organisieren. Ökologisch orientierte Großhändler beliefern auch Schulshops und Privatleute und gewähren bei größeren Stückzahlen Mengenrabatt.
Bilder (cc): Duncan H & carf bei Flickr
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1 Kommentar »






am 30. Januar 2009 um 10:03 1.Jonas schrieb …
Ja, dem kann ich nur zustimmen.
Der Wichtigste Tipp:
Riecht es komisch, dann auf jeden Fall nicht kaufen!
Das sind dann die Giftstoffe, die durch einen Fehler im Produktionsprozess entstanden sind.