Schüchternheit adé
Geschrieben am 17. Dezember 2008, Abgelegt unter erlernbar
Tags: hilfe, Schüchternheit, Selbstbewußtsein, Tricks, Übungen
Starkes Herzklopfen, Erröten und ein verschämter Blick: Nein, ich will nicht das Thema Liebe aufgreifen, sondern Schüchternheit bei Kindern. Diese Thema begleitet mich schon eine ganze Weile in Person meines Sohnes. Nach eingehender Recherche habe ich viele nützliche Tipps zusammengetragen, die Eltern Kindern helfen können, nicht nur das Positive aus dieser Charaktereigenschaft zu ziehen, sondern vielmehr auch aus ihrem Schatten zu treten – wenigstens ab und zu.
Grundlegend muss uns Erwachsenen klar werden, dass gutes Zureden oder gar Ermahnungen oft kontraproduktiv wirken. Mutiges Verhalten muss ein Kind selbst entwickeln und mit Zwang wird es das eher nicht. Wir sollten uns auch bewusst machen, dass diese Kinder keine Außenseiter sind: Studien gehen davon aus, dass rund 40 % aller Grundschüler mit sich selbst und ihrer Angst kämpfen. Sie schätzen sich oft selber in ihren Leistungen schlechter ein als sie tatsächlich sind. Sie stehen sich dadurch selbst im Weg und können so zukünftig wirklich Lernprobleme entwickeln. Gern werden diese Schüler durch uns als “pflegeleicht” oder “introvertiert” eingestuft. Das birgt die Gefahr, dass diese “leisen” Kinder schnell in der Gruppe vernachlässigt werden, da sie ja nicht auffallen.
Was also tun? Ganz wichtig ist es, die negativen Selbstreflektionen wie “Das kann ich sowieso nicht . . .” auffangen und korrigieren. Es hilft, sich gemeinsam mit dem Kind an zurückliegende Erfolge zu erinnern und diese auch wieder ins Bewusstsein des Kindes zu rücken: “Du hast doch letztes Mal auch super geschafft, das war großartig!” Aber auch im
Vorfeld sollten Eltern und Erzieher den respektvollen Umgang mit den Kindern praktizieren. Dazu zählen Lob und Freude über Geschafftes oder gut bewältigte Situationen. Zudem sollte man den Kindern etwas Zeit einräumen, sich mit der jeweiligen Situation anzufreunden. Dieses Beobachten sozialer Strukturen gibt den Schüchternden die Möglichkeit, sich in die Gruppe einzubringen. Zeitlichen Freiraum ohne Druck lassen!
Konkrete Übungen:
- Angst vor Lärm: Ich gehe mit dem Kind in die Hocke und singe einen leisen und tiefen Ton. Während wir uns gemeinsam langsam aufrichten, steigern wir die Lautstärke und strecken die Arme nach oben.
- Geübter Widerspruch: Ich sage vorsichtig: “Ja, das stimmt!” Das Kind darauf energischer: “Nein, das stimmt nicht!” Wir steigern uns beide abwechselnd in der Lautstärke, bis wir uns schreiend gegenüberstehen. Der Erwachsene sollte seine Lautstärke immer der des Kindes anpassen.
- Ein Mantra für den Tag formulieren, zum Beispiel: “Heute ist ein toller Tag. Ich bin erfolgreich und selbstbewusst. Heute klappt einfach alles!”. Allein das laute, wiederholte Aufsagen dieser Sätze lässt das Kind Kraft, Energie und Mut spüren.
- Phantasiereise: Das Kind schließt die Augen und nimmt eine bequeme Position ein. Der erzählende Elternteil schildert eine Begebenheit aus der Vergangenheit des Kindes, in der es sich besonders erfolgreich bewiesen hat. Durch eine möglichst detaillierte Erzählung erlebt das Kind die Situation nochmals – die Gefühle von Mut und Erfolg werden wieder wach. Bei kleineren Kindern können die fehlenden Erfahrungen durch Geschichten und Märchen ersetzt werden. Großartig ist das Buch “Der kleine Angsthase” von Elizabeth Shaw.
- Lockerung der Körperhaltung: Vor einem Spiegel springen Erwachsene und Kinder herum, stampfen, tanzen und schneiden Grimassen. Dabei sich ruhig gegenseitig mal leicht, mal etwas fester anrempeln.
- “Lachen ist gesund!” Denn wer einfach mal lacht, überträgt diesen “aufgesetzten” Frohsinn schnell in sein Gemüt. Dabei die Körperhaltung nicht vergessen – vor dem Spiegel die verschiedenen Körperhaltungen ausprobieren. Dabei auf die entstehenden Gefühle achten.
- Das Gorillaspiel: Mit den Fingerkuppen beider Hände klopfen sich Kind und Erwachsener sanft auf den Brustkorb. Dazu entspannt den Mund öffnen und einen dunkles “Uuuhaa” rauslassen. Der Ton wird erst lauter und ebbt dann langsam wieder ab. Die Fingerkuppen bewegen sich entsprechend dem Ton mal schneller, mal langsamer und schlussendlich fallen die Arme seitlich vom Körper schlaff herab.
- Stehen üben: Versuche zu stehen wie ein Baum. Die Füße sind die Wurzeln, die Beine der Stamm und der Kopf die Baumkrone. Dann kommt der Wind, Gewicht auf den rechten Fuß verlagern, linken Arm und Bein anwinkeln. Mit drei Fingern der rechten Hand unter den Bauchnabel drücken, dann tief in den Körpermittelpunkt atmen. Nicht entmutigen lassen – das Gleichgewicht zu halten ist am Anfang schwer, mit einiger Übung wird’s aber immer besser. Denn wer mit beiden Beinen sicher auf der Erde steht, schöpft Kraft aus der Bodenhaftung. Und auch die Stimme wird fester.
- Begrüßung: Das Kind soll unterschiedlichen Personen zur Begrüßung unterschiedlich fest die Hand geben und dabei auf die Reaktion des Gegenüber achten.
- Blickkontakt halten: Wer immer nur auf den Boden oder in Zimmerecken starrt, um dem Gesprächspartner nicht in die Augen schauen zu müssen, dem hilft der folgende Trick: Beim Gegenüber einfach die Nasenwurzel zwischen den Augen fixieren. Beim Referat in der Schule hilft es, das Blatt einfach so anzuheben, dass die Köpfe der Mitschüler verdeckt sind. Der Blick richtet sich dann auf einen Punkt hinten an der Wand.
- Laut und deutlich sprechen: Einfach mal wie eine taumelnde Fliege durchs Zimmer summen. Mit hervorgestoßenen Explosivlauten wie T und K bringt man Spannung in sein Zwerchfell. Und auch zehn Minuten Sprechen mit ‘nem Korken im Mund wirkt Wunder.
Für ein kraftvolles Auftreten und Durchsetzen eignen sich natürlich auch Spiele wie Fußball, Fangen und Tobespiele, wie zum Beispiel Kissen- oder Schneeballschlachten. Nur nicht die Kinder mit eigenen Erwartungen unter Druck setzen, weniger ist manchmal mehr!
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